Wirtschaftlichkeit und EnEV

Grundsatz der Wirtschaftlichkeit

Aus § 1 Satz 1 der Energieeinsparverordnung (EnEV) geht hervor, dass der Zweck der Verordnung die Einsparung von Energie in Gebäuden unter Beachtung des gesetzlichen Grundsatzes der wirtschaftlichen Vertretbarkeit ist.
Daraus folgt, dass die Vorschriften der EnEV grundsätzlich einzuhalten bzw. umzusetzen sind, aber auch stets geprüft werden kann, inwieweit eine wirtschaftliche Vertretbarkeit oder Ausnahmetatbestände vorliegen.

Wirtschaftlichkeit in der Praxis

Zwar ist der grundsätzlichen Zielsetzung der Energieeinsparung nichts entgegenzuhalten. Allerdings sind z.B. Maßnahmen zur Wärmedämmung an Gebäuden nicht unstrittig. Sei es das verwendete Material, die Konstruktion, Ausführung, Sicherheitsaspekte, Langzeitverhalten des verwendeten Materials, Umweltverträglichkeit oder gar das tatsächliche Energieeinsparungspotential … es scheint noch viele „Unbekannte“ zu geben. Demgemäß dürfte es durchaus Sinn machen, die Anforderungen der EnEV nicht nur als notwendiges Übel zu betrachten, was dazu verleiten könnte, die „billigste“ oder erstbeste Variante zu wählen.

Gemäß dem Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V./ München ist eine allgemein gültige Aussage über die Wirkung energetischer Maßnahmen nicht möglich. Als Fazit wird lediglich festgehalten dass bei fachgerechter Durchführung keine Mängel zu erwarten sind und i.d.R. Energieeinsparungen realisiert werden. Zahlreiche Modellberechnungen zeigen je nach Objekttyp und Baujahresklasse ein Einsparpotential von bis zu 80 % bei Bestandsbauten. Andere Quellen gehen in der Praxis von der Hälfte oder noch weniger aus.

Wenn Energieeinsparungen realisiert werden, so ist es zudem noch fraglich, in welchem Zeitraum sich die Kosten amortisieren bzw. ob ein Mehrwert erzielt wird. Es liegen diverse Studien zur Energieeffizienz und auch zur Wirtschaftlichkeit energetischer Maßnahmen vor, welche den Schluss nahe legen, dass es sich aus heutiger Sicht erst dann lohnt, wenn die betroffenen Bauteile ohnehin erneuert werden müssen. In diesem Falle werden nur die Mehrkosten in Ansatz gebracht bzw. die „Sowieso-Kosten“ von der Gesamtinvestition abgezogen.

Veraltete Berechnungsmodelle

Die Gründe für die Diskrepanz von theoretischen und praktischen Einsparungsergebnissen sind vielfältig. Eine Ursache kann der – in einigen Berechnungsmodellen – fehlende Abgleich von berechnetem Bedarfswert und tatsächlichen Verbrauchswerten sein. Eine Plausibilisierung berechneter Bedarfswerte anhand durchschnittlicher Verbrauchswerte ist deshalb empfehlenswert.

Wertsteigerung durch energetische Maßnahmen

Die Wertsteigerung einer Immobilie aufgrund energetischer Modernisierungen ergibt sich im Allgemeinen aus einer Erhöhung des Reinertrages bzw. der Verlängerung der wirtschaftlichen Restnutzungsdauer. Welche Werterhöhung bzw. Mietsteigerung sich in der Praxis erzielen lassen, hängt von den Marktgegebenheiten und den gewählten Maßnahmen ab. So kann es durchaus vorkommen, dass sich auch gesetzlich zulässige Mietsteigerungen am Markt nicht durchsetzen lassen.

Selbstgenutzte Einfamilienhäuser erfahren in der Regel ebenfalls eine Wertsteigerung, wobei aber die Wertdifferenz vor und nach Sanierung nur unter bestimmten Voraussetzungen die Investitionskosten deckt. Auch hier sind die Marktgegebenheiten, das Maßnahmenpaket und die Ausgangssituation wertbestimmend.

Energetische Maßnahmen sind sorgfältig zu planen

Es bleibt also festzuhalten, dass der energetischen Modernisierung eine sorgfältige Planung vorausgehen sollte, um einen tatsächlichen Mehrwert zu erzielen. Insbesondere bei Altbauobjekten sind die bauphysikalischen Gegebenheiten des Öfteren schwer einzuschätzen, so dass eine Standardlösung nicht immer den gewünschten Erfolg bringt oder gar unvorhergesehene Probleme verursacht … auch wenn die Bauausführung mängelfrei erfolgt.

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