Hinweis- und Verschwiegenheitspflicht

Grundsätzliches

Der Sachverständige hat grundsätzlich Stillschweigen gegenüber Dritten hinsichtlich der Kenntnisse zu wahren, welche er im Rahmen des Wertermittlungsauftrages erlangt. Die Schweigepflicht erstreckt sich ebenfalls auf Mitarbeiter des Sachverständigen und ist auch nach Beendigung des Vertragsverhältnisses gültig.

Andererseits müssen in einem schriftlichen Verkehrswertgutachten augenscheinlich festgestellte Befundtatsachen entsprechend Erwähnung finden. Die zerstörende Prüfung von Bauteilen oder Ursachenforschung gehört nicht in den Aufgabenbereich des Bewertungssachverständigen und obliegt Sonderfachleuten wie z.B. Bauschadenssachverständigen und Statikern.

Gebot der Unparteilichkeit

Im Rahmen der Gutachtenerstattung kann auf die Dokumentation von Tatsachenfeststellungen jedoch nicht verzichtet werden. Dazu gehört unter Umständen auch der Hinweis auf nicht eindeutig geklärte aber wertrelevante Sachverhalte wie z.B. augenscheinliche Bauschäden, Bodenverunreinigungen oder eine fehlende Baugenehmigung. Würde man solche Gegebenheiten einfach „unter den Tische fallen lassen“, so würde der Sachverständige nicht mehr neutral und unparteiisch agieren.

Ist der Hinweispflicht genüge getan, liegt es in der Verantwortung des Auftraggebers, ob eine weitergehende Recherche bzw. Beauftragung veranlasst wird. Man kann niemanden dazu zwingen, beispielsweise ein gesondertes Bauschadensgutachten zu beauftragen, welches zu erheblichen Zusatzkosten führen kann.

Wechselspiel von Hinweis- und Verschwiegenheitspflicht

Einerseits sollte der privat beauftragte Bewertungssachverständige die zur Verfügung gestellten oder recherchierten Informationen gegenüber Dritten vertraulich behandeln – Schweigepflicht. Andererseits sind aus verständlichen Gründen sogenannte „Gefälligkeitsgutachten“ kategorisch auszuschließen – Hinweispflicht.

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